Turnerbund braucht einen neuen Vorsitzenden
Georg Salzer tritt nicht mehr an, führt den Verein aber kommissarisch weiter, bis ein Nachfolger gewählt ist
Der Turnerbund 1890 e.V. Reilingen braucht einen neuen Vorsitzenden. Nach acht Jahren gibt Georg Salzer sein mit großem Engagement geführtes Ehrenamt an der Spitze des größten Reilinger Vereins auf. Er wird aber vorläufig den Verein weiter leiten, bis ein Nachfolger gefunden ist. Per Akklamation und en bloc wurde dagegen bei der Jahreshauptversammlung die komplette Vorstandschaft in ihrer seitherigen Konstellation auf weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Für die Volleyball-Abteilung ist künftig Jochen Weik in der Vorstandschaft vertreten. Vakant bleiben die Positionen des stellvertretenden Hauptkassiers und eines Jugendleiters. Bei den Beisitzern sind Carsten Lansche (Handball) und Katharina Michalik (Volleyball) neu dabei. Das bewährte TBG-Vorstandsteam hatte vor dem Wahlgang und auf Vorschlag des Ehrenvorsitzenden Dieter Hopf ein mit viel Applaus bedachtes, entlastendes Votum erhalten.
Der noch amtierende Vorsitzende Georg Salzer konnte am Freitagabend etwa 60 treue Vereinsanhänger im vorderen Drittel der Fritz-Mannherz-Hallen willkommen heißen. Im Gedenken an neun verstorbene, langjährige Mitglieder der Turnerbundfamilie erhob sich die Versammlung von den Plätzen.
Mit 1.524 Mitgliedern unangefochten die Nummer 1
In seinem knapp gehaltenen Jahresrückblick ging Salzer auf die Entwicklung der Mitgliederzahl ein, die erstmals seit Jahren einen kleinen Einbruch erleidet. Mit 1.524 Mitgliedern bleibt aber der Turnerbund unangefochten die Nummer 1 bei den Reilinger Vereinen. Anhand von historischem Bildmaterial wurde das in 135 Jahren Vereinsgeschichte angepasste Wappen vorgestellt. Anmerkungen galten der Zusammenarbeit mit einem regionalen Sport-Ausstatter, der geplanten Herausgabe von neuen Trikots, sowie dem unverändert aktiven Handball-Förderverein. Als Neuerung will der Verein künftig das alljährliche Sport-Journal in digitaler Form auf seiner Website anbieten, wenige Exemplare soll es aber weiter auf Papier geben.

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TBG Vorstand Georg Salzer stellt sich nicht mehr dem Votum der Mitgliederversammlung und verzichtet auf eine erneute Kandidatur.
Über eine erfreulicherweise stabile Kassenlage berichtete Kassier Werner Kief. Rund 11.000 Euro konnte er zum Jahresabschluss als Überschuss verbuchen. Mit knapp 71.000 Euro wurden die Vermögenswerte des Vereins beziffert, denen rund 54.000 Euro an Verbindlichkeiten gegenüber stehen. Volker Hoffmann, der das Zahlenwerk gemeinsam mit Maria Schmitt geprüft hatte, attestierte eine vorbildliche und mängelfreie Kassenführung, worauf die Mitgliederversammlung den Kassier einstimmig entlastete.
Die vielseitigen Aktivitäten eines auf vielen Ebenen engagierten Mehrspartenvereins verdeutlichten die Abteilungsleiter Claudia Butz (Turnen), Jochen Weik (Volleyball), Marc Schmidt (Handball), Volker Müller (Leichtathletik), Dieter Werner (Schneesport) und Petra Bernd (Wandern).
Die Turngruppen können insbesondere bei den Kleinkindern den Ansturm kaum bewältigen, weshalb es hier Wartelisten gibt. Nachgefragt sind auch vielseitigen Angebote im Erwachsenenbereich, wie Yoga, Tanzsport, LineDance, Turnen und Gymnastik. Unter der neuen Leitung gut entwickelt hat sich die Volleyballabteilung, wo ein zunehmendes Teilnahmeinteresse festzustellen ist. Im kommenden Jahr wollen die Volleyballer auch bei den Turnieren wieder ganz vorne mit dabei sein. Vor großen Herausforderungen stehen die Handballer, worauf die Verantwortlichen mit strukturellen Veränderungen reagieren wollen. Um auf stabilem Niveau wettbewerbsfähig zu bleiben, sollen mit ausdrücklicher Billigung der Mitgliederversammlung erste unverbindliche Gespräche über eine mögliche Erweiterung der Spielgemeinschaft geführt werden. Die Leichtathleten wünschen sich weitere Unterstützer für das mit neun Trainern und Übungsleitern ausgestattete Team, das etwa 60 Kinder und Jugendliche betreut. Beim Schneesport sind die Skischulwochenenden weiter der absolute Renner, wo topausgebildete Übungsleiter jede Menge zu tun haben. Und die Wanderer waren bei weiter steigender Teilnehmertendenz regelmäßig per pedes oder auf dem Fahrrad unterwegs. Das 40jährige Gründungsjubiläum feiert die Abteilung mit einem Grillfest in der Skihütte.
Treue Angehörige der Turnerbundfamilie ausgezeichnet
Eine imposante Zahl von 39 langjährigen Vereinsmitgliedern erfuhr eine besondere Ehrung. Für 25 Jahre TBG-Mitgliedschaft erhielten die silberne Ehrennadel: Benjamin Adrovic, Benjamin Anweiler, Andre Baust, Carmen Bock, Walter Ehrstein, Heide Flick, Anna Geng, Simone und Laura Maier, Michelle Mehner, Louisa und Nicola Rückert, Dieter Rückert, Stefan Schmelcher, Petra Stroheker, Lukas Träutlein, Brigitte und Fritz Veit, Dieter Welsch und Elfriede Werner. Seit 40 Jahren gehören dem Turnerbund an: Marco Arnold, Markus Brenner, Katrin Dietrich, Melanie Ehehalt, Katja Fey, Klaus Lohse, Petra Rohr und Markus Wittmer. Sie alle wurden mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet. Für ein halbes Jahrhundert Vereinstreue wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: Christina Schütz, Ralf Vögele, Simone Rückert, Waltraud Bickle, Silvia Brecht, Ilse und Udo Hild, Elisabeth Lopp, Hans-Jörg Menger, Heidi Spitzer und Rolf Wirth.

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Für 25 Jahre Zugehörigkeit zur Turnerbundfamillie mit der Ehrennadel in silber ausgezeichnet wurden (v.l.) Anna Geng, Dieter Rückert, Louisa Rückert, Nicola Rückert, Andre Baust, Fritz Veit, Brigitte Veit und Walter Ehrstein.

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Sie nahmen die goldene Ehrennadel als Anerkennung ihrer 40jährigen TBG-Mitgliedschaft persönlich entgegen (v.l.) Markus Brenner, Katrin Dietrich und Katja Fey.

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Claudia Butz (r.) und Georg Salzer (2.v.l.) übergeben die Ernennungsurkunden an die neuen Ehrenmitglieder (v.l.) Christina Schütz, Simone Rückert, Ilse Hild, Silvia Brecht, Ralf Vögele, Waltraud Bickle, Rolf Wirth und Udo Hild.
Künftig berechtigt allein die 50jährige Vereinszugehörigkeit, zum Ehrenmitglied ernannt zu werden. Die seitherige Vorgabe eines Mindestalters von 60 Jahren entfällt. Mit klarer Stimmenmehrheit hat sich die Mitgliederversammlung für einen entsprechenden Antrag aus der Vorstandschaft ausgesprochen.
Eine lange, arbeitsintensive, aber auch schöne Zeit
In seinen emotional bewegenden Abschiedsworten erinnerte Georg Salzer an so manche starken Momente einer vitalen Gemeinschaft, die er in den 37 Jahren seiner Vereinszugehörigkeit habe erleben dürfen. Eine lange, arbeitsintensive, aber auch eine schöne Zeit sei es gewesen. Unzählige Highlights hätten seine achtjährige Amtszeit als erster Vorstand bestimmt. Besondere Sternstunden seien die Einweihung des neuen TBG Heisl 4.0 (2021) und das 100jährige Jubiläum der Handballabteilung (2024), aber auch die viertägigen Feierlichkeiten zum 150jährigen Bestehen des Turngaus Mannheim (2022) in Reilingen gewesen. Herausragende sportliche Ereignisse, wie der Aufstieg der Handballdamen in die 3. Bundesliga des DHB, blieben ihm in steter Erinnerung. Viele prominente Sportler habe der Verein in all den Jahren willkommen heißen dürfen, darunter Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo, Nationaltorwart David Späth oder die Beach Handball-Weltmeisterin Lucie-Marie Kretschmar. Herzliche Dankesworte richtete Salzer an so manche seiner unvergesslichen Wegbegleiter, wie Hermann Ballreich, Hans Zahn und Fritz Eichhorn, aber auch an alle Handball-Abteilungs- und Jugendleiter für ihre unschätzbaren Dienste. Nicht zuletzt galt sein herzlicher Dank seinen Vorstandskollegen/innen, insbesondere Claudia Butz, Werner Kief und Dieter Werner, für deren tatkräftige und motivierende Unterstützung, sowie allen Helfern, Machern und Sponsoren, auf die der Verein vertrauen konnte. Seine Ansprache beendete Salzer mit dem eindringlichen Wunsch nach mehr Beteiligung der zunehmend passiv werdenden Aktiven. „Mit 40 kann man Ehrenamt“, betonte er mit Nachdruck. Der Verein brauche dringend eine breitere Basis an sinnbildlich tragenden Schultern und zu allerletzt Sponsoren und Gönner.
Der Ehrenvorsitzende Dieter Hopf bedauerte ausdrücklich den Amtsverzicht von Salzer und dankte für die Motivation und Hingabe bei der Ausübung des Ehrenamtes. Zu wünschen sei, dass Salzer dem Verein weiterhin eng verbunden bleibe. An die Vereinsangehörigen appellierte Hopf, in Ruhe und gründlich zu überdenken, wer künftig den Turnerbund leiten soll. Die jetzige Interimslösung könne kein Dauerzustand sein. (jd)
Fotos: Volker Hoffmann